09.09.11
Auf Schweizer Baustellen ereignen sich noch immer zu viele tödliche Unfälle. Ein einmaliger Schulterschluss soll künftig für mehr Sicherheit sorgen: Gemeinsam haben Planer, Bauausführende sowie Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände mit der Unterstützung der Suva eine Sicherheits-Charta lanciert.
In den vergangenen zehn Jahren haben mehr als 280 Menschen auf dem Bau ihr Leben verloren. Ein Drittel aller Berufsunfälle mit tödlichen Folgen oder schwerer Invalidität passieren auf Baustellen. Gemeinsam haben sich deshalb alle Akteure auf der Baustelle – unterstützt von der Suva – zusammengesetzt und einen neuen, unkonventionellen Ansatz in der Prävention erarbeitet.
Resultat ist ein bisher einmaliger Schulterschluss: Planende, Bauausführende, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände haben mit der Sicherheits-Charta ein Papier unterzeichnet, in dem sie sich verpflichten, die Leitsätze konkret umzusetzen und insbesondere die lebenswichtigen Sicherheitsregeln auf Baustellen strikte einzuhalten.
Die Charta steht für das Recht, unversehrt von der Arbeit nach Hause zurückzukehren, bei Gefahr Stopp zu sagen und erst wieder weiterzuarbeiten, wenn die Gefahr beseitigt ist.
Rund 20 grosse Verbände aus dem Bauhaupt- und dem Ausbaugewerbe, Gewerkschaften und Planer haben ihre Unterschrift unter die Charta gesetzt. Ziel ist es, die Anzahl der Todesfälle und schwersten Invaliditätsfälle in der Baubranche zu halbieren. Die Charta unterstützt damit die «Vision 250 Leben» der Suva. Diese will innert zehn Jahren mindestens 250 tödliche Berufsunfälle und ebenso viele Invaliditätsfälle vermeiden.
Leben als höchstes Gut
An einer Medienkonferenz vom 8. September 2011 lobte Ulrich Fricker, Vorsitzender der Suva-Geschäftsleitung, den Zusammenschluss von Arbeitgeberverbänden, Planern und Gewerkschaften, den es in dieser Form in der Schweiz noch nie gab. «Gemeinsam geben die verschiedenen Akteure auf der Baustelle ein klares Bekenntnis zur Arbeitssicherheit ab und unterstreichen, dass das Leben und die Gesundheit das höchste Gut sind.»
Werner Messmer, Präsident des Schweizerischen Baumeisterverbandes,
hob hervor, dass professionelle Sicherheitsarbeit auf der Baustelle den Einsatz aller bedinge, und er forderte: «Ziehen wir alle am gleichen Strick! Wir Baumeister wollen auch in Zukunft gefahrenfreie Arbeitsplätze anbieten».
Für Pius Flury, Architekt und Mitglied der Direktion des SIA, ist klar, dass die Arbeitssicherheit bereits in der Planung beginnt.
Und Hansueli Scheidegger, Mitglied der Geschäftsleitung der Gewerkschaft Unia und Sektorleiter Bau, betonte, dass «Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz auf dem Bau nur gemeinsam mit den Arbeitnehmenden verbessert werden können: diese müssen von Betroffenen zu Beteiligten werden.»
Konsequent um- und durchsetzen
Die Charta soll in der Baustellenrealität konsequent um- und durchgesetzt werden. Sie definiert für Planer und Ausführende aller Hierarchiestufen die wichtigsten Regeln, die eingehalten werden müssen, um Unfälle auf Baustellen zu vermeiden. Die Kernbotschaft lautet «Stopp bei Gefahr / Gefahr beheben / weiterarbeiten».
Diese Botschaft wird auch auf verschiedenen Einsatzmitteln abgebildet, die den Unterzeichnern zur Verfügung stehen, unter anderem auf Absperrbändern und grossen Blachen, die auf «Charta-Baustellen» aufgehängt werden. Die Charta wird mithelfen, dass die Sicherheit auf Baustellen noch professioneller organisiert wird und Sicherheitsmängel umgehend behoben werden.
Folgende Verbände und Gewerkschaften haben die Sicherheits-Charta unterzeichnet:
Weitere Informationen: www.sicherheits-charta.ch