01.12.10 | Medienmitteilung
Die Schweizerische Bauwirtschaft konnte im 3. Quartal 2010 ein weiteres Mal zulegen. Die nominalen Umsätze im Bauhauptgewerbe waren um 1,6% höher als im Vorjahr. Für diese Zunahme ist der Tiefbau (+6,5%) verantwortlich. Dieser konnte die leicht rückläufigen Umsätze im Hochbau (-3,4%) mehr als kompensieren. Die weiterhin hohen Arbeitsvorräte (rund 11.7 Mrd. CHF) lassen vermuten, dass auch 2011 ein umsatzstarkes Baujahr sein wird. Dies ist das Ergebnis der vierteljährlichen Konjunkturumfrage des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV) bei seinen Mitgliedern.
Die nominellen Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe beliefen sich im 3. Quartal 2010 auf rekordhohe 5.5 Mrd. Franken (+1,6% gegenüber 2009). Die rasante Expansion der letzten zwei Jahre hat sich verlangsamt (3. Quartal 2009: + 6,1%; 3. Quartal 2008: + 7,7%). Trotzdem gehört das Baugewerbe weiterhin zu den Stützen der Schweizer Konjunktur und leistet einen überdurchschnittlichen Beitrag zum Wachstum des Bruttoinlandprodukts. Die Auftragsbücher sind mit rund 11.7 Mrd. CHF weiterhin gut gefüllt und stimmen auch für den Start ins nächste Baujahr optimistisch. Zur Begründung: Im sehr umsatzstarken Baujahr 2009 wurden rund 18 Mrd. CHF umgesetzt.
Der Umsatz im Wohnungsbau notiert im 3. Quartal 2010 gegenüber dem Vorjahresquartal leicht rückläufig (-2,2%). Die Auftragseingänge stagnierten mit zirka 1.5 Mrd. CHF auf dem Vorjahresniveau (+0,3%). Die Verschnaufpause im Wohnungsbau dürfte allerdings nur temporärer Natur sein. Die hohen Arbeitsvorräte im Wohnungsbau (rund 3 Mrd. CHF) sowie die grosse Anzahl im Bau befindlicher Wohnungen (Rekordwert von 67'000 Einheiten seit Messbeginn 1994) deuten darauf hin, dass der Wohnungsbau im Laufe der nächsten Quartale sogar nochmals an Dynamik gewinnen dürfte. Die seit längerer Zeit bestehende Kombination von tiefen Hypothekarzinsen und hoher Einwanderung von gut qualifizierten Arbeitskräften sorgt für eine anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnungen im oberen Preissegment.
Die einzelnen Regionen der Schweiz weisen (wie gewohnt) auch im dritten Quartal 2010 deutliche Unterschiede auf: So gehören im Wohnungsbau dieses Mal die Kantone Freiburg (+13,0%), Basel-Landschaft (+13,0%) und Zug (39,2%) zu den "Gewinnern", die Kantone Bern (-15,6%), Wallis (-32,6%) und Solothurn (-32,2%) zu den "Verlierern". Es zeigt sich einmal mehr deutlich, dass die kantonale Wohnbaukonjunktur stark von lokalen Einflüssen geprägt wird. Gesamtschweizerische Tendenzen dürfen daher nicht unbesehen auf einzelne Kantone und Regionen heruntergebrochen werden.
Der Wirtschaftsbau ist die einzige Bausparte, welche die Krise des Jahres 2009 zu spüren bekam. Auch im 3. Quartal 2010 ist noch keine definitive Erholung der Umsätze zu verzeichnen (-5,3%). Die anhaltend positiven Aussichten für die gesamtschweizerische Wirtschaftsentwicklung lassen jedoch erwarten, dass in den nächsten Jahren viele aufgeschobene Projekte nachgeholt werden und der Wirtschaftsbau wieder seine Rolle als Treiber der Baukonjunktur spielen kann.
Die gute Lage der Baukonjunktur hat positiv auf die Beschäftigungszahlen durchgeschlagen. Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten im Bauhauptgewerbe ist im Vergleich zum Vorjahresquartal um beachtliche 1,6% auf rund 85'000 Mitarbeiter gestiegen. Eine so hohe Zahl von Beschäftigten konnte im Bauhauptgewerbe seit 2004 nicht mehr registriert werden. Die Kehrseite dieser Entwicklung sind spürbare Engpässe bei der Rekrutierung vor allem von qualifiziertem Fachpersonal.
Trotz hohem Produktionsvolumen ist die Ertragslage im Bauhauptgewerbe unbefriedigend. Eine Umfrage des SBV bei seinen Mitgliedern offenbart: Ein Fünftel der Unternehmen weist bei den Baudienstleistungen Verluste mit einem effektiven Geldabfluss aus. 40% erarbeiten praktisch keinen Ertrag, und 14% erwirtschaften einen genügenden Ertrag. Nur knapp ein Viertel kann sich eines genügenden Ertrags von mehr als 4% erfreuen.
In den letzten Jahren hat sich im Bauhauptgewerbe ein teilweise ruinöser Preiswettbewerb entwickelt. Dieser ist nicht auf Überkapazitäten als vielmehr auf die sehr hohe Zahl von Anbietern zurück zu führen. Trotz offensichtlich ungenügender Margen bleiben Firmen im Markt, weil sie z.B. das Eigenkapital nicht marktüblich verzinsen oder ihre Erträge vorwiegend in anderen Betriebszweigen erwirtschaften. Der hohe Wettbewerbsdruck widerspiegelt sich auch in den praktisch konstanten Baupreisen (April 2009: 123.0; Oktober 2009: 123.1 und April 2010: 123.1 Indexpunkte). Die gute Baukonjunktur sollte gemäss den Regeln von Angebot und Nachfrage eigentlich zu höheren Baupreisen führen. Der harte Konkurrenzkampf im Baugewerbe scheint diese Erfahrung jedoch Lügen zu strafen.
Es mehren sich die Anzeichen, dass die Bauwirtschaft auch im nächsten Jahr mit hohen Umsätzen rechnen darf. Die Budgetrestriktionen des Bundes sowie das Auslaufen der Konjunkturprogramme werden die Bautätigkeit der öffentlichen Hand nur wenig bremsen. Dieser Rückgang dürfte grösstenteils durch den dynamischen Wohnungsbau aufgefangen werden. Ein Wiedererstarken des Wirtschaftsbaus könnte dem Baugewerbe sogar noch zusätzliche Impulse verleihen.
Umsätze (Bautätigkeit) und Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe |
Weitere Informationen zu den Baukonjunktur-Erhebungen...