03.06.09 | Medienmitteilung
Der Auftragsbestand im Bauhauptgewerbe lag Ende März 2009 um beachtliche 13,2% über dem Stand von vor einem Jahr. Dies ist das Ergebnis der vierteljährlichen Konjunkturumfrage des Schweizerischen Baumeisterverbands bei seinen Mitgliedern. Diese Tatsache lässt hohe Umsätze für die nächsten drei bis sechs Monate erwarten. Schwierig waren die Bedingungen im 1. Quartal 2009, in welchem die Umsätze gegenüber dem Vorjahr deutlich gesunken sind (-13,3%). Hauptgrund dafür war aber nicht etwa die fehlende Nachfrage, sondern primär der lange und harte Winter.
Die nominellen Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe beliefen sich im 1. Quartal 2009 auf rund 3,1 Mrd. Franken (-13,3% gegenüber dem 1. Quartal 2008). Dieser deutliche Rückgang ist auf den hartnäckigen Winter zurückzuführen. Die Daten von MeteoSchweiz zeigen, dass der Januar 2009 der kälteste seit über 20 Jahren war. Es verwundert also nicht, dass diese Witterungsverhältnisse die Bautätigkeit stark bremsten. Der Rückgang der Bautätigkeit betrifft den Hoch- und den Tiefbau in etwa gleich stark (-14,1% bzw. -12,2%). Dagegen ist der Auftragsbestand Ende März im Vergleich bedeutend höher (+13,2%), was auf hohe Investitionen im Hoch- wie im Tiefbau für die nächsten Quartale hindeutet.
Der Rückgang im Wohnungsbau belief sich auf überdurchschnittliche 19,0%. Der stabile Auftragseingang (-0,2%) im ersten Quartal 2009 relativiert jedoch das pessimistische Bild und zeigt, dass die Witterung auch den Hochbau spürbar beeinträchtigt hat. Die Auftragsbestände notierten schliesslich über dem Stand vom März 2008 (2,9 Mrd. Franken).
Der SBV erwartet weiterhin keinen Einbruch beim Wohnungsbau. Die sehr tiefen Hypothekarzinsen, das anhaltende Bevölkerungswachstum und die durchschnittliche Leerstandsquote unter 1% stützen die Nachfrage nach Wohnungen.
Regional sind allerdings grosse Differenzen feststellbar. So ging der Wohnungsbau in den Kantonen Zürich (-18,6%), Bern (-19,8%) und Luzern (-34,3%) teilweise massiv zurück, während er in einigen Kantonen, so in Schaffhausen (+9,7%) und St. Gallen (+15,5%) deutlich zulegte.
Das Bauvolumen im gewerblich-industriellen Bau konnte sich im 1. Quartal fast auf dem Vorjahresniveau halten (-1,5%). Diese trotz ungünstiger Witterungsverhältnisse positive Entwicklung ist vor allem auf einige Grossprojekte in den Agglomerationen zurückzuführen.
Das deutliche Minus von 11,9% bei den Auftragseingängen gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres lässt erahnen, dass doch eine Abkühlung bevorsteht. Diese Entwicklung stimmt mit den in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen überein: Der Wirtschaftsbau reagiert vor allem auf die Investitionszyklen der Firmen und somit besonders sensibel auf Eintrübungen der Realwirtschaft. Eine deutliche Verlangsamung ist vor allem in den Hauptagglomerationen Zürich, Basel und Genf zu erwarten. Inwieweit diese Abschwächungstendenz auf die gesamte Bautätigkeit durchschlagen wird, ist offen. Der Wirtschaftsbau macht am Gesamtumsatz nur etwas über 15% aus.
Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten im Bauhauptgewerbe stagnierte bei rund 76'800, was einer leichten Abnahme von 0,5% gegenüber dem Vergleichsquartal 2008 entspricht. Trotz des kalten Winters ist es im Bauhauptgewerbe zu wenigen Entlassungen gekommen. Dies zeigt die Zuversicht der Bauunternehmer, welche in den nächsten Quartalen mit einer erhöhten Bautätigkeit rechnen und somit auf ihr Stammpersonal zurückgreifen möchten. Besonders erfreulich ist die hohe Zahl der Lernenden im Bauhauptgewerbe, die bei rund 5'000 liegt.
Ein Blick auf die gemeldeten Bauvorhaben für das 2. Quartal 2009 und die Auftragsbücher zeigt, dass sich die Baukonjunktur im laufenden und im 3. Quartal 2009 insgesamt noch nicht spürbar abkühlen wird. Die hohen Arbeitsvorräte und das Anlaufen der Konjunkturmassnahmen des Bundes dürften dem Tiefbau ein volumenstarkes Jahr 2009 verschaffen. Der SBV schätzt deshalb das Geschäftsjahr 2009 insgesamt als gut ein. Die hohen Bauvolumen dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass durch die fast atomistische Struktur der Bauwirtschaft ein harter Preiswettbewerb herrscht. Die allgegenwärtigen Preiskämpfe werden in letzter Zeit durch die allgemeine Krisenstimmung noch intensiviert, so dass die Renditen fast gänzlich wegerodiert werden.
Das Bauhauptgewerbe ist das Jahr 2009 mit Zuversicht angegangen. Prognosen für 2010 sind hingegen mit einem hohen Prognoserisiko verbunden. Offen ist, ob die Schweizer Wirtschaft bereits wieder wachsen oder weiterhin in einer rezessiven Phase stecken wird.