05.12.08 | Medienmitteilung

SBV-Quartalsstatistik:
Nochmals deutliche Umsatzzunahme im 3. Quartal 2008

Im dritten Quartal 2008 waren gemäss Erhebungen des SBV die Folgen der weltweiten Finanzkrise im Bauhauptgewerbe noch nicht spürbar. Bei anhaltend hoher Kapazitätsauslastung beliefen sich die nominellen Umsätze auf 5,1 Mrd. Franken und nahmen gegenüber dem gleichen Quartal im Vorjahr um beachtliche 8,2% zu. Dafür war nicht der Hochbau mit +1.9% massgebend, sondern der Umsatz im Tiefbau. Dieser legte gegenüber dem Vorjahresquartal um überraschende 15,6% zu. Diese positive Entwicklung ist in erster Linie einigen grösseren Infrastrukturprojekten (Neat-Lose Ceneri, A9 Umfahrung Visp u.a.) zuzuschreiben. Umsatzmässig ist insgesamt mit einem guten 2008 zu rechnen.

Wohnungsbau erreicht Zenit

Im Wohnungsbau flaute die in den letzten Jahren zu beobachtende Wachstumstendenz ab (+0,5%). Der Zenit scheint erreicht zu sein. Ein sinkender Arbeitsvorrat (-6,7%) bestätigt diese Einschätzung.

Allerdings zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. So ging der Wohnungsbau zum Beispiel in den Kantonen Tessin (-2,1%), Luzern (-36,0%) und Zürich (-8,1%) zurück, währenddem er in den Kantonen Aargau (+47,1%), Bern (+34,6%) und Genf (11,5%) weiterhin florierte.  

Gewerblich-industrieller Bau weiterhin dynamisch

Der gewerblich-industrielle Bau entwickelte sich weiterhin dynamisch (+8,8%). Aufgrund der Zahlen dürfte die gute Auslastung in diesem Bereich wegen der gestiegenen Auftragseingänge und der höheren Auftragsbestände im laufenden Jahr anhalten. Vor allem die Agglomerationen (Zürich, Basel und Genf) weisen in diesem Sektor eine überdurchschnittliche Bautätigkeit aus.

Für das nächste Jahr ist jedoch mit einer Abkühlung zu rechnen, da die Finanzkrise schon heute auf die Realwirtschaft durchschlägt und dadurch die Nachfrage sinken wird. Diese Tendenz wird durch das Immo-Monitoring von Wüest & Partner bestätigt.  

Baustellenpersonal wächst weiter

Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten wuchs auf rund 83'500, was einer Zunahme gegenüber dem Vorquartal von 1,5% entspricht. Diese positive Entwicklung ist auch auf eine Zunahme des Baustellenpersonals auf rund 66'800 zurückzuführen (+1,2%). Im Vergleich zum Tiefstand im Jahr 2006 meldet das Bauhauptgewerbe rund 2'000 Angestellte mehr. Der während Jahren zu beobachtende Rückgang ist damit zum Stillstand gekommen.

Der wachsende Bedarf an Baustellenpersonal hat u.a. zu einem Engpass bei den qualifizierten Angestellten geführt, der teilweise durch die Beschäftigung von Personal aus den Nachbarländern (vorwiegend aus Deutschland) beseitigt werden konnte. Besonders erfreulich ist auch die Entwicklung der Anzahl der Lernenden im Bauhauptgewerbe, welche gegenüber dem Vorjahresquartal um 3,8% auf über 5'250 anstieg.  

Verhaltene Aussichten

Ein Blick auf die gemeldeten Bauvorhaben für das 4. Quartal 2008 (+2,5%) und die Arbeitsvorräte (+1.3%) zeigt, dass sich die Baukonjunktur im laufenden Quartal (noch) nicht eintrüben wird. Ein Rückgang ist allenfalls nächstes Jahr zu erwarten, bedingt durch die nachlassende Dynamik des Wohnungsbaus und des gewerblich-industriellen Baus. Die in der Summe positiven Wachstumsperspektiven im Infrastrukturbau dürften dafür sorgen, dass im gesamten Umsatz kein gravierender Einbruch auftreten sollte. Die hohe Bautätigkeit im Tiefbau ist jedoch nicht mit einem Wohlergehen der gesamten Infrastrukturbranche gleichzusetzen, da die intensive Bautätigkeit vor allem durch Grossprojekte alimentiert wird.

Die Baubranche reagiert auf realwirtschaftliche Entwicklungen in der Regel mit Verzögerung. Dies erklärt, wieso die Baubranche im Augenblick von der Finanzkrise noch wenig spürt. Im Gegenzug wird auch die Erholung etwas länger auf sich warten lassen.

Die volatilen im Augenblick sinkenden Stahl-, Material- und Energiepreise führen nach der Rohstoffpreishausse zu einer willkommenen Entspannung bei den Bauproduktionskosten. Denn auf dem Baumarkt Schweiz herrscht weiterhin ein harter Konkurrenzkampf, der spürbar auf die Margen drückt. Die vollen Auftragbücher und ausgelasteten Kapazitäten garantieren noch keinen genügenden Ertrag für viele Baufirmen.    

 

 

Weitere Informationen:

Grafik: Umsätze und Auftragseingänge

Tabelle: Die Auftragssituation im Bauhauptgewerbe
1996 - 2008

Weitere bauwirtschaftliche Daten

Ihr Kontakt:

Alfonso Tedeschi, Leiter Wirtschaftspolitik, Tel. 044 258 82 62