11.03.09 | Medienmitteilung
Die Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe stiegen 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 5,2 %. Für diese Zunahme war vor allem der Tiefbau (+ 10,3 %) verantwortlich. Der Hochbau stagnierte auf hohem Niveau (+ 1,1 %). Stagnierende Auftragseingänge im vierten Quartal 2008 und rückläufige Bauvorhaben für die ersten Monate 2009 deuten auf eine Abschwächung der Baukonjunktur in der zweiten Jahreshälfte 2009 hin. Dies sind die Ergebnisse der vierteljährlichen Konjunkturumfrage des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV) bei seinen Mitgliedfirmen.
Die nominellen Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe beliefen sich 2008 auf rund 17,9 Mrd. Franken (+ 5,2 %). Allein im vierten Quartal wurden 4,7 Mrd. Franken und damit 6,1 % mehr als in der Vergleichsperiode des Vorjahres umgesetzt. Dabei ging der Hochbau leicht zurück (- 1,7 %). Dagegen legte der Tiefbau im Berichtsquartal um 14,9 % zu, was vor allem einigen volumenstarken Infrastrukturprojekten (Durchmesserlinie Zürich, Neat-Lose Ceneri, Erstfeld und Amsteg) zuzuschreiben ist.
Das Wachstum im Wohnungsbau flaute auf + 1,0 % ab. Der Zenit scheint erreicht zu sein. Der rückläufige Auftragseingang (- 6,3 %) im vierten Quartal 2008 bestätigt diese Aussage. Dennoch rechnet der SBV nicht mit einem Einbruch beim Wohnungsbau. Die sehr tiefen Hypothekarzinsen und die weiterhin positive Bevölkerungsentwicklung stützen die Nachfrage nach Wohnimmobilien. Angesichts der Finanzkrise dürfte der Immobilienmarkt mangels sicherer Alternativen auch für professionelle Anleger attraktiver werden.
Regional sind grosse Differenzen feststellbar. So ging der Wohnungsbau in den Kantonen Zürich (- 1,5 %), Waadt (- 8,4 %) und Luzern (- 26,3 %) zurück, während er in einigen Kantonen, St. Gallen (+ 8,6 %), Graubünden (+ 21,3 %) und Aargau (+ 48,2 %), stark zulegte.
Der gewerblich-industrielle Bau hat sich über das ganze Jahr 2008 hinweg dynamisch entwickelt (+ 5,5 %). Im Vergleich zum Vorjahr (+ 14,3 %) fällt das Wachstum allerdings bescheidener aus. Ein deutliches Minus von 17,2 % in den Auftragseingängen und von 11,5 % in den Bauvorhaben gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres lässt erahnen, dass eine starke Abkühlung bevorsteht. Inwieweit dieser Rückgang auf die gesamte Bautätigkeit durchschlagen wird, ist offen. Der Wirtschaftsbau macht am Gesamtumsatz nur etwas über 15 % aus. Diese Entwicklung stimmt mit den in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen überein: Der Wirtschaftsbau reagiert vor allem auf die Investitionszyklen der Firmen und somit besonders sensibel auf Eintrübungen der Realwirtschaft. Eine deutliche Verlangsamung ist vor allem in den Hauptagglomerationen Zürich, Basel und Genf zu erwarten.
Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten im Bauhauptgewerbe insgesamt wuchs auf rund 78'700, was einer Zunahme gegenüber dem Vergleichsquartal 2008 von 2,8 % entspricht. Diese positive Entwicklung ist auch auf eine Zunahme des Baustellenpersonals auf rund 62'000 zurückzuführen (+ 3,4 %). Die unsicheren Aussichten machen eine Prognose für die nächste Zeit schwierig. Der hartnäckig kalte Winter trägt sein Übriges dazu bei. Es lässt sich jedoch feststellen, dass der Bedarf nach qualifiziertem Baustellenpersonal weiterhin bestehen wird. Die Engpässe wurden in der Vergangenheit vornehmlich durch die Rekrutierung von ausländischem Personal gedeckt. Das Ja des Schweizer Stimmvolkes zur Weiterführung der Personenfreizügigkeit garantiert, dass dies weiterhin gewährleistet werden kann.
Besonders erfreulich ist weiterhin die hohe Zahl der Lernenden im Bauhauptgewerbe, die bei rund 5'200 lag.
Ein Blick auf die gemeldeten Bauvorhaben für das 1. Quartal 2009 und die Auftragsbücher zeigt, dass sich die Baukonjunktur im laufenden und im zweiten Quartal 2009 insgesamt noch nicht spürbar eintrüben wird. Die in der Summe positiven Wachstumsperspektiven im Infrastrukturbau (vgl. Impulsprogramme und Projekte im Rahmen des Infrastrukturfonds) dürften dafür sorgen, dass sich beim gesamten Umsatz kein gravierender Einbruch ergeben sollte. Grundsätzlich macht es Sinn, die Konjunktur durch Investitionsprogramme zu stützen, doch soll dies mit Augenmass geschehen. Die Vergangenheit hat deutlich gezeigt, dass nachfrageorientierte Massnahmen in der Schweiz mit ihrer starken Exportabhängigkeit nur eine beschränkte Wirkung haben. Dagegen sind gesunde Bundesfinanzen in Zukunft auch für die Bauwirtschaft ein Muss.
Das Bauhauptgewerbe ist das Jahr 2009 mit Zuversicht angegangen. Prognosen für 2010 sind hingegen schwierig. Offen ist, ob die Schweizer Wirtschaft bereits wieder wachsen oder weiterhin in einer rezessiven Phase stecken wird. Schliesslich ist eine gute Position der Exportindustrie eine unerlässliche Bedingung für das langfristige Wohlergehen der Bauindustrie.
Alfonso Tedeschi, Leiter Wirtschaftspolitik, Departement Politik + Kommunikation Tel. 044 258 82 62, atedeschi@baumeister.ch Für regionale Auskünfte können Sie sich an die Geschäftsstellen der Sektionen des SBV wenden (Adressen im Internet unter www.baumeister.ch/wir-ueber-uns/sektionen/) Zürich, 11. März 2009
Weitere Informationen:
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Alfonso Tedeschi, Leiter Wirtschaftspolitik, Tel. 044 258 82 62
Regionale Auskünfte: Geschäftsstellen der Sektionen des SBV