25.08.09 | Medienmitteilung

SBV-Quartalsstatistik II/2009: Florierender Tiefbau - rückläufiger Hochbau

Die Bauwirtschaft ist nach wie vor deutlich weniger stark von der Krise betroffen als die Gesamtwirtschaft: Die Umsätze im Bauhauptgewerbe waren im 2. Quartal 2009 um beachtliche 7,8% höher als im Vorjahr. Für die Zunahme waren vor allem Grossprojekte im Tiefbau verantwortlich (+28,4%), während im Hochbau erste Abschwächungstendenzen erkennbar sind. Dies ist das Ergebnis der vierteljährlichen Konjunkturumfrage des SBV bei seinen Mitgliedern.

Die nominellen Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe beliefen sich im 2. Quartal 2009 auf rund 4,9 Mrd. Franken (+7,8% gegenüber 2008). Der hartnäckige Winter hatte die Bautätigkeit im 1. Quartal stark gebremst und teilweise fast zum Erliegen gebracht. Dies hat zu einem Nachholeffekt bei den Bauarbeiten geführt, welcher sich positiv auf die Umsätze im 2. Quartal ausgewirkt hat. Auch die Arbeitsvorräte haben sich erfreulich entwickelt. Sie betrugen Ende Juni 11,9 Mrd. CHF (+9,0%).

Eine differenzierte Betrachtung zeigt aber, dass auch die Bauwirtschaft vor der Krise nicht gefeit ist. Vor allem im privaten Hochbau ist ein sinkender Umsatz zu verzeichnen (-7,1%). Dies macht vielen kleineren und mittleren Hochbauunternehmungen zu schaffen.

Wohnungsbau überdurchschnittlich betroffen

Der Rückgang im Wohnungsbau belief sich auf überdurchschnittliche 9,1%. Auch der sinkende Auftragseingang (-9,6%) deutet darauf hin, dass es in den nächsten Quartalen zu einer Kontraktion bei der Wohnungsproduktion kommen wird. Die weiterhin tiefen Hypothekarzinsen stützten zwar die Nachfrage nach Wohnimmobilien, vermögen jedoch den abnehmenden positiven Einwanderungssaldo sowie die allgemeine Verschlechterung der Konsumentenstimmung nicht zu kompensieren.

Zu erinnern ist an die Tatsache, dass zwischen 2002 und 2007 die jährliche Wohnungsproduktion von knapp 29'000 auf rund 43'000 Einheiten angestiegen ist. Ein beschränkter Rückgang beim Wohnungsbau ist deshalb mit einer Normalisierung gleichzusetzen. Regional sind wie üblich grosse Differenzen feststellbar. So ging der Wohnungsbau in den Kantonen Tessin Freiburg und Luzern teilweise massiv zurück, während er in einigen Kantonen, so in Zürich Waadt und Thurgau, deutlich zulegte.

Seitwärtsbewegung im Wirtschaftsbau

Das Bauvolumen im gewerblich-industriellen Bau konnte sich im 2. Quartal fast auf dem hohen Vorjahresniveau halten (-3,0%). Diese konstante Entwicklung ist vor allem auf einige Grossprojekte in den Agglomerationen zurückzuführen, welche noch in der Zeit der Hochkonjunktur angestossen wurden.

Das deutliche Minus von 22,9% bei den Auftragseingängen gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres weist jedoch auf eine Abkühlung hin. Diese Entwicklung stimmt mit den in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen überein: Der Wirtschaftsbau reagiert vor allem auf die Investitionszyklen der Firmen und somit besonders sensibel auf rückläufige Entwicklungen der Realwirtschaft.

Zunahme beim Stammpersonal

Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten im Bauhauptgewerbe erhöhte sich leicht auf 82'350, was einer Zunahme von 1,7% gegenüber dem Vergleichsquartal 2008 entspricht.

Stützende Funktion der öffentlichen Hand

Ein Blick auf die gemeldeten Bauvorhaben (+11,3% gegenüber dem Vorjahr) für das 3. Quartal 2009 und die Auftragsbücher zeigt, dass sich die Baukonjunktur im laufenden und im 4. Quartal 2009 noch nicht spürbar abkühlen wird. Eine stützende Funktion kommt den Aufträgen der öffentlichen Hand zu. Dazu gehören die zahlreichen Infrastrukturbauten. Die auf den Bau ausgerichteten Konjunkturprogramme des Bundes spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Mit einem Auftragsvolumen von etwas mehr als 500 Mio. CHF können diese nur einen marginalen Beitrag zur Baukonjunktur leisten (Bauvolumen Bauhauptgewerbe 2008: 17,9 Mrd. CHF).

Bauwirtschaft der zwei Geschwindigkeiten

Eine vertiefte Analyse der Situation der Bauwirtschaft lässt den Schluss zu, dass sich die zwei Segmente Hochbau und Tiefbau mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten entwickeln. Der öffentliche Tiefbau floriert dank einer gutgefüllten Pipeline an baureifen Grossprojekten. Der Hochbau hingegen ist vor allem von privaten Aufträgen abhängig und reagiert deshalb weitaus stärker auf die schlechte Konsumentenstimmung. Zudem ist im Hochbau eine weitere Margenerosion zu befürchten. Darunter leiden die vielen kleineren und mittleren Hochbauunternehmen besonders stark.

Verhaltene Perspektiven

Der SBV schätzt das Geschäftsjahr 2009 insgesamt als gut ein. Prognosen für 2010 sind schwierig. So geht der SBV davon aus, dass die private Nachfrage nach Bauleistungen weiterhin sinken wird, die öffentliche Hand diese Ausfälle jedoch über eine gewisse Zeit weiterhin wettmachen kann. Eine Erholung der privaten Bautätigkeit ist mit Verzögerung erst durch eine Erholung der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung zu erwarten.