27.08.08 | Medienmitteilung
Die Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe stagnierten im 2. Quartal auf hohem Niveau, so dass sich mit dem guten ersten Quartal ein positives erstes Semester ergab mit einem Zuwachs von nominell 3,2%. Der Hochbau vermochte im 2. Quartal das negative Ergebnis im Tiefbau zu kompensieren, wobei dafür der Wohnungsbau ausschlaggebend war. Diese Entwicklung dürfte sich in den nächsten Monaten fortsetzen, weshalb umsatzmässig insgesamt mit einem guten 2008 zu rechnen ist. Schwächezeichen sind in erster Linie beim Tiefbau auszumachen.
Die Kapazitäten im Bauhauptgewerbe waren im 2. Quartal 2008 grösstenteils ausgelastet, wurde doch mit rund 4,5 Mrd. Franken etwa der gleiche Umsatz erreicht wie im Vorjahresquartal. Daraus ergab sich ein erfreulicher Umsatzanstieg von 3,2% im 1. Halbjahr 2008, was einem Umsatz von rund 8,1 Mrd. Franken entsprach. Interessanterweise zog der Wohnungsbau sowohl beim Umsatz (+4,1% auf 1,6 Mrd. Fr.) als auch beim Auftragseingang (+ 8,6% bzw. 1,5 Mrd. Fr.) erneut an, woraus ein Arbeitsvorrat von rund 3,1 Mrd. Franken (Ende Juni 2008) resultierte.
Zwar gingen die Aktivitäten im gewerblich-industriellen Bau (Wirtschaftsbau) im 2. Quartal leicht zurück (- 2,5%), verzeichneten aber immer noch ein Plus von 4,7% über das ganze erste Halbjahr. Auch der Auftragseingang nahm in dieser Sparte erneut zu, und zwar um 5,5%. Dagegen sind die Zahlen im öffentlichen Hochbau, der einen Anteil von etwa 11% am gesamten Hochbau ausmacht, rückläufig (5% im 2. Quartal nach -7,2% im ersten).
Diese positive Entwicklung vermag nicht über die schwierige Lage im Tiefbau hinwegzutäuschen. Waren dank des guten Wetters im Winterquartal die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr besser, schrumpften sie nun im 2. Quartal um 2%. Verbunden mit sinkenden Auftragseingängen (-15,3%), zeichnen sich schwierige Zeiten ab. So betrug der Arbeitsvorrat Ende Juni noch 5,6 Mrd. Franken nach 6,2 Mrd. Ende März. Schuld daran sind die zögernden Auftragsvergaben der öffentlichen Hand.
Der im Hochbau um 6,3% höhere Auftragsbestand Ende Juni (rund 5,3 Mrd. Fr.) und Bauvorhaben für die nächsten drei Monate von rund 2,3 Mrd. deuten auf ein ebenfalls gutes 2. Semester hin. Dazu dürfte erneut der Wohnungsbau wesentlich beitragen. Problematisch ist die Lage im Tiefbau, denn die laufenden Grossprojekte verzerren das regional unterschiedliche Bild stark.
Ingesamt waren Ende Juni im Bauhauptgewerbe rund 81'000 Personen beschäftigt, ziemlich genau gleich viele wie im Juni 2007. Dabei zeigt sich eine leichte Verschiebung zugunsten des Baustellenpersonals, was angesichts der guten Auslastung nicht erstaunt. So standen den rund 65'700 Mitarbeitern auf den Baustellen rund 10'300 technisch-betriebswirtschaftlich ausgerichtete Mitarbeiter gegenüber. Auch die Zahl der Lehrverhältnisse lag mit über 4'800 Lernenden nochmals höher als im Vorjahr.
In den einzelnen Regionen der Schweiz sind immer wieder deutliche Unterschiede in der Bautätigkeit festzustellen: Dies gilt sowohl für den Hoch- als auch den Tiefbau. Im Wohnungsbau beispielsweise gehörten im 2. Quartal die Tourismus- Kantone Wallis, Graubünden, Tessin zu den «Gewinnern», die Kantone Bern, Luzern, Waadt zu den «Verlierern». Im Tiefbau werden die höchsten Umsätze in den Kantonen Bern, Zürich, Luzern, Wallis und Aargau erarbeitet, wo im Berichtsquartal zwischen 230 und 150 Mio. Fr. verbaut wurden.
Grosse Sorgen bereiten vielen Baufirmen die rasant und massiv gestiegenen Rohstoffpreise. Einer Überwälzung stehen teils vertragliche Hindernisse im Weg. Teils ist der Nachweis der rapid gestiegenen Kosten für den Auftragnehmer aufwändig und kompliziert und häufig stellen sich die Bauherren taub gegenüber Begehren um Nachbelastung. Der bereits bestehende Druck auf den Margen wird dadurch nochmals dramatisch erhöht und führt bei vielen Bauunternehmern zu ernsthaften Sorgen und Überlebensängsten für die Firma.
Weitere Informationen:
Grafik: Umsätze (Bautätigkeit) und Auftragseingänge | |
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Martin Fehle, Vizedirektor, Leiter Politik + Kommunikation, Tel. 044 258 82 60