01.06.11 | Medienmitteilung, Statistik
Die Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe stiegen im ersten Quartal 2011 im Vergleich zum Vorjahr um satte 15,1%. Dieser beachtliche Zuwachs ist mehr den milden Witterungsverhältnissen als einem höheren Expansionstempo der Bauwirtschaft zuzuschreiben. Der weiterhin hohe Arbeitsvorrat (12.6 Mrd. Franken) lässt auch für die nächsten Quartale hohe Umsätze erwarten. Dieses Ergebnis zeigt die vierteljährliche Konjunkturumfrage des SBV bei seinen Mitgliedern.
Die nominellen Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe beliefen sich im 1. Quartal 2011 auf über 3.7 Mrd. Franken, was einem markanten Zuwachs von 15,1% gegenüber der Vorjahresperiode entspricht. Der ungewöhnlich hohe Umsatz im Winterquartal ist nur teilweise der guten Konjunktur zuzuschreiben, sondern in erster Linie auf die günstigen Witterungsbedingungen zurückzuführen. Diese erlaubten es vielen Bauunternehmungen, ihren Arbeitsvorrat im 1. Quartal abzuarbeiten und auf die Einstellung der Arbeiten zu verzichten. Viele Projekte konnten somit vorgezogen und rascher als geplant abgewickelt werden. Die Zahlen zeigen einmal mehr, in welch starkem Ausmass die Umsätze im 1. Quartal von der Witterung beeinflusst werden.
Der Auftragsbestand Ende März 2011 verzeichnete gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg um 7,3% auf 12.6 Mrd. Franken. Für diese positive Entwicklung waren sowohl der Tiefbau (+9,4%) als auch der Hochbau verantwortlich (+4,4%).
Wohnungsbau übernimmt «Staffelstab»
Im Wohnungsbau wurden im ersten Quartal über 1.2 Mrd. Franken umgesetzt. Gegenüber dem Vorjahresquartal ist ein bemerkenswerter Zuwachs von 16,3% zu registrieren. Auch die steigenden Auftragseingänge (+19,2%) und Arbeitsvorräte (+13,1%) zeugen von der anhaltenden Stärke des Wohnungsbaus. Dieser hat sich in den letzten Quartalen als neues Zugpferd der Bauwirtschaft profiliert, nachdem der Wohnungsbau krisenbedingt 2009 noch negative Wachstumszahlen aufgewiesen hatte (-3,9%).
Als Grund für die rege Wohnungsbauproduktion sind nicht nur die historisch tiefen Zinsen zu nennen, sondern auch fundamentale Nachfragefaktoren, so etwa die anhaltend hohe Einwanderung von gut qualifizierten Arbeitskräften mit entsprechender Kaufkraft. Diese verliehen dem Wohnungsbau zusätzlichen Schub, der in nächster Zeit anhalten dürfte. Die gute Lage auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt lässt vermuten, dass der Einwanderungssaldo gar wieder das Vorkrisenniveau erreicht, womit der Wohnungsbau gar noch zusätzlich an Fahrt gewinnen dürfte – beruhigende Aussichten für die (Hoch-)Baukonjunktur.
Wirtschaftsbau in Wartestellung
Das Volumen im gewerblich-industriellen Bau entwickelte sich im 1. Quartal erneut rückläufig (-7,1%). Auch das deutliche Minus von 8,6% bei den Auftragseingängen lässt darauf schliessen, dass die Erholung in dieser konjunkturell sensitiven Bausparte noch auf sich warten lässt. Die mittelfristigen Aussichten bleiben jedoch intakt, denn die erteilten Baubewilligungen im gewerblich-industriellen Bau deuten darauf hin, dass in absehbarer Zeit wieder vermehrt in Büro- und Gewerbebauten investiert werden wird. Zur Illustration sei der erfolgte Spatenstich für den Roche Tower in Basel genannt, welcher den Zürcher Prime Tower als höchstes Gebäude der Schweiz ablösen wird.
Tiefbau stagniert auf hohem Niveau
Der öffentliche Tiefbau hatte sich in den vergangenen zwei Jahren als Schrittmacher der Bauwirtschaft erwiesen (2009: +5,7%; 2010: +2.9%) und konnte die nachlassende Nachfrage im Wirtschaftsbau (2009: -4,7%; 2010: -6,2%) mehr als wettmachen. Er hatte dafür gesorgt, dass die Schweizer Bauwirtschaft insgesamt praktisch unbeschadet durch die Krise kam. Für das laufende Jahr sind vom Tiefbau keine entscheidenden Wachstumsimpulse mehr zu erwarten. Vielmehr ist mit einer Stagnation auf hohem Niveau zu rechnen. Denn einerseits sind keine weiteren Infrastrukturprojekte von nationaler Tragweite in den Startlöchern. Andererseits machen sich Kapazitätsengpässe bemerkbar, welche eine weitere Expansion erschweren: So notiert der von der KOF ETH erhobene Nutzungsgrad der Maschinen im Bauhauptgewerbe mit über 75% seinen zehnjährigen Höchststand.
Ausgeprägter Fachkräftemangel
Engpässe zeigen sich auch bei der Rekrutierung von qualifiziertem Fachpersonal: So meldeten 45% der im März 2011 befragten SBV-Mitglieder Engpässe bei der Rekrutierung von Bauführern. Die gesamtschweizerische Lücke wird auf rund 500 Bauführer geschätzt. Dies entspricht 10% des gesamten Bauführerbestands. Ähnlich verhält es sich mit den Bauingenieuren, Polieren, Vorarbeitern und Maschinisten. Dieser ausgeprägte Fachkräftemangel führt dazu, dass viele Baufirmen ihre Kapazitäten trotz hohen Arbeitsvorräten nicht erhöhen können.
Zurück zur Normalität
Das Bauhauptgewerbe kann grundsätzlich zuversichtlich in die Zukunft blicken. Die Zeiten überdurchschnittlicher Zuwachsraten dürften jedoch vorbei sein. Die Bauwirtschaft wird nicht mehr als gesamtwirtschaftlicher Wachstumstreiber fungieren, sondern wieder ihre traditionelle Rolle als zyklische Branche mit relativ eng bemessenem Expansionspotenzial übernehmen. Die weiterhin hohen Arbeitsvorräte (12.6 Mrd. Franken) am Ende sowie die starke Zunahme der Zementlieferungen (+21,2%) während des 1. Quartals bestätigen jedoch, dass eine unmittelbare Abkühlung der Bauwirtschaft in den nächsten Quartalen sehr unwahrscheinlich ist.
Grafik: Umsatz und Auftragseingänge | |
| Konjunktur im Schweizer Bauhauptgewerbe 1. Quartal 2011 | |
| Gegenüberstellung Wachstumsraten BIP und Bauhauptgewerbe 1. Quartal 2011 |
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