04.06.08 | Medienmitteilung

SBV-Quartalsstatistik I/2008
Hohe Umsätze, rückläufige Auftragseingänge

Die Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe stiegen im ersten Quartal 2008 im Vergleich zum Vorjahresquartal nochmals um satte 8,7 %. Für diese Zunahme waren vor allem Grossprojekte im Tiefbau verantwortlich (Tiefbau + 15,7 %). Auch der Hochbau verzeichnete eine Zunahme von 3,7 %. Die bereits im 4. Quartal 2007 und nun auch im 1. Quartal 2008 rückläufigen Auftragseingänge deuten auf eine Abschwächung der Baukonjunktur gegen Ende 2008 hin.

Dank des insgesamt doch milden Winters beliefen sich die nominellen Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe im ersten Quartal auf rund 3,6 Mrd. Franken. Dies entspricht einer Zunahme von 8,7 % gegenüber dem ersten Quartal 2007 (06/07: + 14,5 %). Dabei stieg die nominelle Bautätigkeit im Hochbau im ersten Quartal 2008 um 3,7 %. Der Tiefbau legte im Berichtsquartal 15,7 % zu, was vor allem einigen grossen Infrastrukturprojekten (zum Beispiel: Neat-Lose Ceneri, Erstfeld und Amsteg, A2-Sanierung und Bahnhof Löwenstrasse Zürich) zuzuschreiben ist. Insgesamt ist die Auftragslage im Tiefbau aber eher angespannt.

Hoch im gewerblich-industriellen Bau

Wie schon im ersten Quartal 2007 und auch in den Folgequartalen haben sich insbesondere die Ausgaben im Bereich des gewerblichen und industriellen Baus sehr dynamisch entwickelt (+ 15,2 %). Die gute Auslastung in dieser Bausparte dürfte wegen der stark gestiegenen Auftragseingänge im ersten Quartal 2008 (+ 51,0 %) im laufenden Jahr anhalten. Auch dank der in diesem Bereich deutlich höheren Auftragsbestände (+ 23,5 %) bestehen positive die Aussichten für 2008. Die Zunahme der totalen Hochbauinvestitionen (+ 3,7 %) im Jahr 2007 war denn auch bereits grösstenteils auf diese Sparte zurückzuführen.

Wohnungsbau auf hohem Niveau stabil

Die nominellen Umsätze im Wohnungsbau stagnierten im Berichtsquartal (07/08: + 0,2 %, 06/07: + 20,8 %; 05/06: + 5,5 %). Die Wachstumsdynamik im Wohnungsbau hat definitiv nachgelassen; allerdings bewegt sich dieser Bereich weiterhin auf sehr hohem Niveau.

Der Zenit im Wohnungsbau ist erreicht: Die gesamten Auftragseingänge sind 2007 um rund 50 Mio. Franken geringer als 2006 (- 3,6 %) ausgefallen. Im ersten Quartal 2008 gingen sie sogar um rund 190 Mio. Franken zurück (- 11,7%). Die Auftragsbestände im Wohnungsbau notierten deshalb Ende März 2008 rund 7,1 % unter dem Stand vom März 2007 (2,8 Mrd. Franken an ausstehenden Wohnungsbauten).

Abschwächungstendenzen gegen Ende 2008

Der SBV geht davon aus, dass das Baujahr 2008 (und die Auslastung der Bauunternehmen) im Hochbau leicht schwächer verlaufen wird als das Jahr 2007. Die Auftragseingänge im gesamten Hochbau verzeichneten 2007 zwar insgesamt noch eine leichte Zunahme von 1,0 %. Ab dem zweiten Halbjahr 2008 sind im Hochbau insgesamt Abschwächungstendenzen zu erwarten.

Eine vertiefte Betrachtung der Auftragssituation im Tiefbau zeigt, dass der weiterhin vergleichsweise hohe Auftragsbestand Ende März 2008 (+  0,6 %) auf eine Handvoll Grossprojekte zurückzuführen ist. Die rückläufigen Auftragseingänge im ersten Quartal 2008 in dieser Sparte (- 8,2 %) verheissen insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen harte Preiskämpfe. Mitschuldig an dieser Entwicklung dürfte auch die regional nur schleppend erfolgende Auftragsvergabe durch den Bund im Nationalstrassenbereich sein.

Regionale Unterschiede im Hoch- und Tiefbau

In den einzelnen Regionen der Schweiz waren (wie gewohnt) auch im ersten Quartal 2008 deutliche Unterschiede in der Bautätigkeit festzustellen: Dies gilt sowohl für den Hoch- als auch den Tiefbau. Im Wohnungsbau beispielsweise gehören die Kantone Aargau, Basel oder Zürich zu den «Gewinnern», die Kantone Tessin, Genf oder Solothurn zu den «Verlierern». Im Tiefbau sind die getätigten Umsätze insbesondere im Kanton Genf (um rund 20 Mio. Franken auf 38,1 Mio. Franken) abgesackt. Einsprachen und lange Bewilligungsverfahren verzögern und verunmöglichen teilweise die Realisierung von Bauvorhaben im Kanton Genf. In den Kantonen Bern oder Zürich hingegen sind die Umsätze im Tiefbau überdurchschnittlich angestiegen.

Erfreulicher Beschäftigungsanstieg

Ende März wurden im Schweizer Bauhauptgewerbe 77'200 Vollzeitbeschäftigte (inkl. kaufmännisches Personal; + 1,4 % gegenüber März 2007) gezählt. Das Baustellenpersonal nahm dabei leicht um 1,4 % zu (62'100). Das technisch-kaufmännische Personal verharrte bei 10'250 Personen (+ 1,1 %). Der Stopp des Beschäftigungsschwundes beim Baustellenpersonal ist aus Sicht des SBV einerseits auf die gute Konjunktur und andererseits auf Umschichtungen von Temporärarbeitskräften zu fest angestelltem Personal zurückzuführen. Angesichts der voraussichtlichen Stagnation der Umsatzzahlen 2008 ist davon auszugehen, dass im laufenden Jahr die Beschäftigung auf den Schweizer Baustellen stabil bleiben wird. Erfreulich ist schliesslich auch die Zunahme der Lernenden um 2,9 % auf rund 4800 Lehrverhältnisse Ende März 2008.

 

Weitere Informationen:

Konjunktur im Schweizer Bauhauptgewerbe insgesamt
(Tabelle, 1. Quartal 2005-2008)

Grafik: Umsätze (Bautätigkeit) und Auftragseingänge
1996 - 2008

Weitere bauwirtschaftliche Daten

Ihr Kontakt:

Martin Fehle, Vizedirektor, Leiter Politik + Kommunikation, Tel. 044 258 82 60