03.11.11 | Medienmitteilung, LMV
Unia und Syna lehnen Verlängerung des sozialsten GAV der Schweiz ab
Das müssen die Gewerkschaften den Bauarbeitern noch erklären: Am Mittwoch haben Unia und Syna gegenüber dem Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) die Verlängerung des Landesmantelvertrags (LMV) und eine Lohnerhöhung um 1,5 Prozent abgelehnt. Damit stehen die Bauarbeiter ab 1. Januar 2012 nicht mehr unter dem Schutz des arbeitnehmerfreundlichsten Gesamtarbeitsvertrags der Schweiz.
An ernsthaften LMV-Verhandlungen schienen die Gewerkschaften von Anfang an nicht interessiert zu sein. Bereits im Frühjahr 2011 liessen sie sich von ihrer Basis das Mandat geben, ausschliesslich über Verbesserungen zu diskutieren. Echte Verhandlungen mit einem gegenseitigen Geben und Nehmen waren somit fast unmöglich. Dennoch trat der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) auf die Forderungen ein und diskutierte sie. Schliesslich ist er aber zum Schluss gekommen, dass kein ausgewogenes Paket vorliegt. Dies obwohl der SBV den Gewerkschaften in wesentlichen Punkten entgegengekommen ist. Unter anderem erhöhte er sein Angebot für eine Lohnerhöhung von 1,0 auf 1,5 Prozent. Die Forderung der Gewerkschaften lag bei einer Erhöhung von 100 Franken pro Mitarbeitenden und dem Teuerungsausgleich. Das entspricht rund zwei Prozent. Doch während die Baumeister ihr Angebot erhöhten, blieben Unia und Syna kompromisslos bei ihrer ursprünglichen Forderung.
Der LMV läuft Ende 2011 aus. Um einen vertragslosen Zustand zu verhindern, hat der SBV den Gewerkschaften eine Verlängerung des bestehenden LMV um 6 Monate vorgeschlagen. Damit sollte mehr Zeit gewonnen werden, um zu einer ausgewogenen Verhandlungslösung zu kommen. Die Verhandlungsdelegationen von Unia und Syna haben dieses Angebot am Mittwoch erneut abgelehnt. Damit kommt es ab 1. Januar 2012 zu einem vertragslosen Zustand im Bauhauptgewerbe.
Das Vorgehen der Gewerkschaften ist umso unverständlicher, als der LMV Bau bereits heute der mit Abstand arbeitnehmerfreundlichste Gesamtarbeitsvertrag der Schweiz ist. Er garantiert den Mitarbeitenden auf dem Bau Löhne, die deutlich über jenen in den anderen handwerklichen Berufen liegen. So beträgt der Mindestlohn für einen Maurer mit abgeschlossener Lehre Fr. 5450.-, und jener eines ungelernten Bauarbeiters Fr. 4400.--. Damit verdienen Bau-Hilfsarbeiter einige Hundert Franken mehr als ausgebildete Fachkräfte in den meisten anderen handwerklichen Berufen. Die effektiv ausbezahlten Löhne liegen auf dem Bau erst noch durchschnittlich 9 Prozent über den Mindestlöhnen. Hinzu kommen ein 13. Monatslohn, 5 Wochen Ferien, (ab 50 sogar 6 Wochen), 8 bezahlte Feiertage, 24 Monate Lohnfortzahlung und Kündigungsschutz bei Krankheit und Unfall, sowie eine schweizweit einzigartige Frühpensionierungsregelung ab 60 Jahren.
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