25.08.10 | Medienmitteilung
Die schweizerische Bauwirtschaft erweist sich in einem konjunkturell immer noch unsicheren Umfeld weiterhin als Stütze der Volkswirtschaft: Dies wurde an einer Medienkonferenz des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV) vom Mittwoch, 25. August 2010, in Zürich anhand der neusten Konjunkturdaten des Verbands belegt. Gleichentags startete der SBV eine nationale Imagekampagne, da namentlich die guten Arbeitsbedingungen auf dem Bau zu wenig bekannt sind, wie eine vom SBV in Auftrag gegebene Studie gezeigt hat.
Die nominellen Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe beliefen sich im zweiten Quartal 2010 auf rund 5,1 Mrd. Franken (+ 4,0 % gegenüber 2009). Der hartnäckige Winter hatte die Bautätigkeit im ersten Quartal heftig gebremst und zeitweise fast zum Erliegen gebracht. Die wetterbedingten Ausfälle mussten nun nachgeholt werden, was sich positiv auf die Umsätze ausgewirkt hat. Auch die Arbeitsvorräte haben sich erfreulich entwickelt. Sie beliefen sich Ende Juni auf 13,2 Mrd. Franken (+ 10,8 %).
«Die hohe Auslastung der Kapazitäten hinterlässt seine Spuren auch auf dem Arbeitsmarkt », betonte an der Medienkonferenz Vizedirektor Martin Fehle, Leiter des Departements Politik + Kommunikation: «Diese Engpässe können nur durch die Rekrutierung von Personal im (benachbarten) Ausland gedeckt werden, was jedoch nur in ungenügendem Mass gelingt. Auch die Anstellung von Temporärpersonal ist häufig nur die zweitbeste Lösung. Denn sie bringt immer auch Integrations- und Einführungsaufgaben mit sich.»
Verständlich, dass der SBV nicht zuletzt deshalb alles unternimmt, um für sich und die Arbeitsbedingungen im Bauhauptgewerbe zu werben. Im Auftrag des SBV interviewte 2009 das Meinungsforschungsinstitut Publitest in einer repräsentativen Befragung die Bevölkerung und spezifische Zielgruppen, darunter Politiker und Wirtschaftsvertreter sowie Baumeister und ihre Mitarbeitenden zu Fragen des Images der Branche und der Arbeitgeber. «Die Resultate haben gezeigt, dass die Befragten den SBV als fairen, starken und verlässlichen Verband kennen und schätzen», sagte dazu Daniel Lehmann, Direktor des SBV. Gezeigt habe sich aber, dass die Bevölkerung über die guten Arbeitsbedingungen auf dem Bau wenig Bescheid wisse. Daniel Lehmann: «Besonders bei den Themen Lohn, Arbeitszeit, flexibler Altersrücktritt sowie Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz bestehen Informationsdefizite.»
Dies will der SBV mit einer gleichentags angelaufenen Kampagne mit Inseraten in der ganzen Schweiz ändern. «Unsere Arbeit ist hart, wird aber entsprechend entlöhnt. Auf dem Bau verdiene ich mehr als in anderen Branchen.», heisst es beispielsweise. Oder ein Baumeister verkündet in der vorläufig bis in den Frühling 2011 laufenden Inseratserie: «Wir setzen uns für die Sicherheit und Gesundheit unserer Mitarbeitenden ein.»
In der Tat zeitigt das Engagement der Baumeister Wirkung – die Unfallzahlen sind markant gesunken. In der Suva-Versicherungsklasse 41A, wozu das Bauhauptgewerbe gehört, sank die Unfallzahl pro 1000 Vollbeschäftigte zwischen 2002 und 2007 um 25 (von 226 auf 201) pro Jahr, oder berechnet auf die Jahre 1998 bis 2007 gemäss Suva-Statistik um volle 20,2%. Daniel Lehmann: «Als grösster Prämienzahler arbeitet der SBV eng mit der Suva zusammen. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden konnten beachtliche Erfolge erzielt werden.»
Doch gerade beim Thema Suva stehen die Zeichen auf Sturm: Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates (SGK-NR) hat die UVG-Revision zuhanden der parlamentarischen Beratung in einer Form verabschiedet, welche das bewährte sozialpartnerschaftliche Modell massiv gefährdet. Der SBV akzeptiere nicht, hielt SBVZentralpräsident Werner Messmer an der Medienkonferenz seines Verbandes fest, «dass uns als Sozialpartner Änderungen aufgezwungen werden, die wir nicht verlangen und nicht wollen, weil sie nämlich per Saldo das erfolgreiche Versicherungssystem zu Lasten der Versicherten und Prämienzahler schwächen.»
Für Werner Messmer und den Schweizerischen Baumeisterverband ist klar: Falls die Vorlage in den Eidgenössischen Räten so verabschiedet wird, wie dies die SGK-NR vorschlägt, wären der SBV und die anderen Suva-Branchen im Interesse ihrer Mitglieder gezwungen, zusammen mit den Gewerkschaften das Referendum zu ergreifen, denn, so Nationalrat Werner Messmer: «Die Kommissionsentscheide laufen den Interessen der rund 115'000 bei der Suva versicherten Betriebe zuwider.»
Dokumente
| Der SBV zur UVG-Revision: Weniger Leistung für höhere Prämien? | |
Darauf bauen wir - die Fakten | ||
SBV-Quartalsstatistik II/2010: Bauwirtschaft in gesunder Verfassung | ||
Weitere Informationen zu den Baukonjunktur-Erhebungen...