Themendossier «Ja zum Sanierungstunnel am Gotthard», Eidg. Volksabstimmung am 
28. Februar 2016

ARGUMENTE, ZAHLEN UND FAKTEN

JA zum Sanierungstunnel am Gotthard

Der SBV sagt Ja zum Gotthard-Sanierungstunnel. Foto: zVg

Um was geht es?

Der Gotthard-Strassentunnel ist seit 35 Jahren in Betrieb und muss in rund zehn Jahren umfassend saniert werden. Bundesrat und Parlament haben sich nach sorgfältiger Prüfung möglicher Varianten für die Lösung mit dem Bau einer zweiten Röhre entschieden. Dagegen wurde das Referendum ergriffen.

Empfehlung des Schweizerischen Baumeisterverbands

Der SBV teilt die Auffassung von Bundesrat und Parlament: Die Mehrkosten des Baus einer zusätzlichen Röhre werden durch die zusätzliche Sicherheit und Verfügbarkeit mehr als aufgewogen. Am einspurigen Betrieb der neuen Röhre soll festgehalten werden, da so den Anliegen des Kantons Tessin als auch des Alpenschutzartikels Rechnung getragen wird.

Der SBV empfiehlt deshalb ein Ja für die Abstimmung am 28. Februar 2016.


Die Hintergründe - analysiert vom Schweizerischen Baumeisterverband:
 Fünf Argumente für den Bau einer zweiten Tunnelröhre
 Factsheet
 Questions and answers

Fünf Argumente für den Bau eines zweiten Tunnels

Wenn der Gotthardstrassentunnel über zwei Röhren verfügen würde, könnte auf die aufwendigen – und für die betroffenen Regionen mit negativen Konsequenzen verbundenen – Provisorien verzichtet werden.

Die von den Gegnern geforderte Rollende Landstrasse (RoLa) hat nur Nachteile:
Sie kostet zwischen 1,4 und 1,7 Mrd. Franken, benötigt insgesamt 155‘000 m² Fläche für provisorische Verladestationen, die nach der Sanierung wieder abgerissen werden, und sie müsste bei der nächsten Sanierung erneut milliardenteuer aufgebaut werden. Ein Sanierungstunnel ist deshalb die günstigere und vor allem nachhaltigere Lösung.

Die dauernde und störungsfreie Anbindung des Kantons Tessin an die restliche Schweiz ist eine staatsbürgerliche Aufgabe erster Güte.

Ohne Sanierungstunnel wäre die Verbindung ins Tessin während fast drei Jahren unterbrochen. Vor allem der Tourismus, von dem jeder 14. Arbeitsplatz im Tessin direkt abhängt, würde stark getroffen.

Die bereits durch die negativen Auswirkungen der Personenfreizügigkeit gebeutelte und im Bundesrat untervertretene italienischsprachige Bevölkerung würde erneut vor den Kopf gestossen, wenn die Mehrheit des Stimmvolks die negativen Auswirkungen der Vollsperrung einfach in Kauf nehmen würde.  

Italien ist einer der wichtigsten Handelspartner der Schweiz. So lieferten allein die Kantone Basel-Stadt, Basel-Land und Jura im Jahr 2010 Waren im Wert von 4 Mrd. SFr. über die Strasse nach Italien.

Auch die Westschweizer Kantone Waadt, Wallis und Genf lieferten mit Waren im Wert von 2,6 Mrd. SFr. grosse Mengen an Handelsgütern über die Strasse nach Italien. Vom Handelsverkehr an der Tessiner Grenze entfallen 60% auf die Region Zürich, das Mittelland und die Nordwestschweiz.

Die ganze Schweiz ist also auf den reibungslosen Handel mit Italien angewiesen. Kommt hinzu, dass gerade die Transportunternehmen unter dem starken Franken leiden; ihnen sollten nicht weitere Steine in den Weg gelegt werden.

Der Gotthard-Strassentunnel ist einer der unsichersten Tunnels Europas. Zwischen 2001 und 2012 starben hier 19 Menschen, 18 davon aufgrund von Frontalkollisionen. Im richtungsgetrennten Seelisbergtunnel gab es im selben Zeitraum keinen einzigen Verkehrstoten.

 In einem europaweiten Tunneltest des deutschen Automobilclubs ADAC liegt die Gotthardröhre sogar am Schluss der Rangliste von 20 untersuchten Tunneln. Das Unfallrisiko ist wegen der fehlenden Richtungstrennung und dem zu grossen Abstand zwischen den Pannenbuchten so hoch.

Der berechtigten Forderung, dass nach dem Bau der Ersatzröhre und der Sanierung der bestehenden Röhre der Verkehr weiterhin einspurig geführt werden soll, wird mit der Gesetzesänderung ausreichend Rechnung getragen. Ausserdem wird das heute bestehende Dosierungssystem weiterhin angewendet.

Fakt ist: Einer Kapazitätserhöhung könnte höchstens das Volk an der Urne zustimmen. Der Alpenschutzartikel in der Bundesverfassung verbietet nämlich explizit eine Ausweitung der Kapazitäten im alpenquerenden Verkehr.